Das Forum Religionsphilosophie ist eine Diskussions- und Vortragsreihe, die von Personen aus dem Umfeld des Instituts für Philosophie der Universität Wien gestaltet wird.

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Jaco Gericke: HB/OT scholarship and philosophy of religion - an update on newly emerging interdisciplinary research trends

Online Lecture

organised with Annette Schellenberg, Evangelisch-Theologische Fakultät

October 14th 2022, time to be announced

This lecture offers an updated discussion on the ways in which newly emerging trends in research on the HB/OT (from 2020 onwards) are related to the philosophy of religion. A meta-philosophical typology will be utilised to contextualise religious-philosophical concepts, concerns and currents that now feature as part of HB/OT scholarship, as well as explaining why, how, where, when, and to what end this is happening. This includes identifying the religious-philosophical presuppositions, persons, periods, problems, perspectives operative within the rich diversity of present-day HB/OT hermeneutics and exegesis. the presentation concludes with some remarks on future prospects and possibilities for interdisciplinary dialogue.

Jonas Staehelin (ETH Zürich), Unsichtbarkeit und Sichtbarmachung: Wissenschaft und Okkultismus um 1900

 

Vortrag zum Download hier verfügbar.

Folien zum Download hier verfügbar.

 

Freitag, 17. Juni 2022, 16:00 - 17:30 Uhr, NIG Hörsaal 3B

Gewappnet mit einem wachsenden Arsenal technischer Apparate öffneten die Naturwissenschaften im Verlauf des 19. Jahrhunderts den Blick auf eine unsichtbare Welt ätherischer Vibrationen, elektrischer Entladungen und magnetischer Kräfte. Doch mit dieser Multiplizierung des Unsichtbaren ging auch ein Bewusstsein über die zunehmende Unzulänglichkeit unserer Sinne einher. Auf dem elektromagnetischen Spektrum stellte der Bereich des Sichtbaren nur einen schmalen Streifen im unendlichen Kosmos ätherischer Schwingungen dar. Als die moderne Sinnesphysiologie obendrauf noch die Wahrnehmung zu einem rein subjektiven Akt herunterstufte, der vorerst nichts mit der objektiven Beschaffenheit der Aussenwelt zu tun hatte, schien die Welt buchstäblich abhandengekommen zu sein. Anstatt nun diesen Verlust zu beklagen, sahen viele Okkultisten darin das grosse Versprechen einer neuen Jenseitserfahrung. Zwar schien die Wissenschaft das Übernatürliche verbannt zu haben, doch an dessen Stelle trat das Unsichtbare. In diesem Jenseits der Sinne, gleichsam ein unerschöpfliches Reservoir des Unbekannten, fanden auch die okkulten Phänomene inmitten der Ströme der Moderne ihre temporäre bleibe.

Der Okkultismus war in diesem Sinne weder antimodern noch ist er als Form des «Gegenwissens» zu begreifen. Stattdessen werde ich in meinem Vortrag ausgehend von der Multiplizierung des Unsichtbaren und den damit einhergehenden epistemischen Implikationen die Durchlässigkeit zwischen Okkultismus und wissenschaftlicher Praxis im langen 19. Jahrhundert untersuchen. 

 

Jonas Staehelin arbeitet an der ETH Zürich an seiner Dissertation Vom Übernatürlichen zum Übersinnlichen (und zurück): Okkulte und wissenschaftliche Epistemologien des Unsichtbaren im 19. Jahrhundert. Diese ist Teil des vom SNF geförderten Projekts Verwissenschaftlichung und Ästhetisierung der 'Esoterik' im langen 19. Jahrhundert